Amazon hat wiederholt argumentiert, es sei ein “verantwortungsvoller Arbeitgeber”, obwohl es keinen Tarifvertrag habe. Die Löhne, die sie zahlt, seien “am oberen Ende dessen, was für vergleichbare Arbeitsplätze üblich ist”. Der Anfangslohn vor Steuern in Deutschland beträgt mindestens 10,78 € pro Stunde, wobei Arbeitnehmer nach 24 Monaten durchschnittlich 2.397 € (2.702,50 USD) pro Monat verdienen. Verdi setzt sich dafür ein, tariflich die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten zu sichern und zu gestalten. [47] In der Vergangenheit plädierte Verdi mehrfach für die Aufrechterhaltung der Tarifeinheit und behauptete, sie unterstütze die Durchsetzungskraft des Personals und die Akzeptanz von Tarifverhandlungen. [48] Verdi wies alle Versuche zurück, das Streikrecht der Beschäftigten zu ändern, und kündigte an, gegen entsprechende gesetzliche Beschränkungen vorgehen zu wollen, auch wenn es fälle vor dem Bundesverfassungsgericht einleiten werde. [49] [50] Im Rahmen der Tarifpolitik setzt Verdi vor allem auf die Gleichstellung von Männern und Frauen. [51] Gender Mainstreaming spielt zusätzlich eine Rolle, wenn es um die Zusammensetzung des gewerkschaftseigenen Vorstands geht. [52] Ein weiteres Ziel der Tarifpolitik von Verdi ist es, Löhne und Renten in den alten und neuen Bundesländern in Einklang zu bringen.

[53] [54] Die Tarifpolitik von Verdi hat vor allem durch Arbeitskämpfe im öffentlichen Dienst große Media-Aufmerksamkeit erregt. 2006 haben die Gewerkschaftsmitglieder einen neuen Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Bundesländer angenommen, nachdem sie zuvor drei Monate lang gestreikt hatten. [55] Der Marburger Bund lehnte das damalige Verhandlungsergebnis ab und führte die Medien zu der Meldung, er begebe sich “auf Kollisionskurs” mit Verdi. [57] Die Tarifgemeinschaft der beiden Gewerkschaften war bereits im Vorjahr aufgelöst worden. [58] 2007 starteten Verdi und der Deutsche Beamtenbund (DBB) eine drei Millionen Euro teure Werbekampagne unter dem Motto “Genug gespart”. [59] Ziel der Kampagne war es, die Aufmerksamkeit stärker auf die Arbeit des öffentlichen Dienstes im Vorfeld neuer Tarifverhandlungen zu lenken. [60] Nach einer Warnstreikwelle und mehreren Verhandlungsrunden forderten die Parteien im März 2008 eine Schlichtung. [61] [62] Obwohl dies misslang, einigte sich Verdi schließlich mit Bund, Ländern und Kommunen auf einen neuen Tarifvertrag. [63] [64] Die Gewerkschaft erzielte eine Lohnerhöhung von acht Prozent,[65] was einige Beobachter als schwere Belastung für die öffentlichen Haushalte bezeichneten. [66] Verdi zog im Handelsstreit insgesamt 50.000 neue Mitglieder an. [67] Später gelang es ihr, diesen Erfolg bei ähnlichen Verhandlungen im Jahr 2018 mit einer Vereinbarung zu wiederholen, die eine kumulative Erhöhung der Gehälter um 7,5 Prozent über einen Zeitraum von 30 Monaten vorsieht und Aufstockungen und zusätzliche Zahlungen umfasst, die den öffentlichen Sektor zu einem attraktiveren Arbeitgeber machen sollen.

Verdi drängt seit mehr als sechs Jahren auf bessere Löhne für die Beschäftigten im Unternehmen.